Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung“ - dies ist der Titel der deutschen Komödie von Christian Dietrich Grabbe aus dem Jahre 1822, die der Literaturkurs mit Hilfe des Projektkurses am Ende des Schuljahres 2019/2020 aufführen wird.
Auf den ersten Blick handelt es sich um eine romantische Liebeskomödie: die Baronin Liddy, welche die einzige weibliche Person in dem Stück ist und zudem sehr intelligent, wendet sich von ihrem geldgierigen adligen Verlobten ab und entkommt auch den Fängen des Freiherrn von Mordax, der es ausschließlich auf ihren Körper abgesehen hat und sein Mundwerk nicht ohne eine sexistische Bemerkung zu gebrauchen weiß. Allein der hässliche, aber geistrieche Herr Mollfels scheint es ernst mit ihr zu meinen.
Die Präsenz des Teufels, der aus der Hölle flieht, da diese geputzt wird, gibt dem Stück erst die richtige Würze: Er macht sich einen Spaß daraus, die Menschheit und ihre nutzlosen Handlungen zu verspotten und auszunutzen. Grabbe schwankt dabei mit seinem Humor zwischen Ironie und grobem Sarkasmus, ausgeschmückt mit spürbarer Verachtung beschimpft er dabei zeitgenössische Dichter und Kritiker und bringt sich zum Schluss selbst in das Stück ein. Der Dichter meinte, sein Stück werde „bei jedem lautes Lachen erregen, doch im Grunde nur ein Lachen der Verzweiflung“.
Nach längerer und intensiverer Auseinandersetzung mit der Komödie hat der Kurs – nicht ohne Schwierigkeiten - die Gesellschaftskritik um 1800 in den Fokus gestellt. Grabbe entlarvt dabei etwa Verhaltensweisen eines stets zur Flasche greifenden Schulmeisters, der Wissenschaft und der Literaten auf ganz schräge Art und Weise.

„Wir möchten erreichen, dass Zuschauerinnen und Zuschauer das Theater mit einem Lächeln verlassen“.

Grabbes Vorlage bietet viele Ansatzpunkte, wobei sich der Kurs vor allem auf drei Aspekte fokussieren möchte, und zwar erstens den komödiantischen Aspekt, zweitens die Betonung der starken Frauenpersönlichkeit und drittens die offensichtliche Gesellschaftskritik. Letzteres soll insbesondere vor dem Hintergrund der Klimadiskussionen, der Fridays for Future-Bewegung und dem Aufdecken einer oberflächlichen Gesellschaft, wie sie aus Sicht der Lernenden vor allem in sozialen Netzwerken zu Tage tritt, verdeutlicht werden.

Gemeinsam mit der Spielleitung, bestehend aus Kerstin Freitag und Dagmar Mautes, bedeutet dies intensive Textarbeit und Interpretation der Textvorlage. Es gilt, eigene Perspektiven und Sichtweisen vor allem in Bezug auf die Figurendarstellung und die Präsentation der Gesellschaftskritik einzubringen – ein nicht ganz risikofreies Unterfangen.

In der Mittelstufe widmen sich 25 Schülerinnen und Schüler der achten Jahrgangsstufe in MuGe unter der Leitung von Frau Mautes derzeit der Theatergeschichte. Es wird die Erarbeitung kleiner Minidramen folgen.

Frau Altmann unterrichtet in der neunten Jahrgangsstufe MuGe und hier lassen sich die Schülerinnen und Schüler von Friedrich Dürrenmatts Textvorlage „Der Besuch der alten Dame“ für eine Inszenierung rund um Rache und Gerechtigkeit inspirieren. Auch hier dürfen wir auf das Ergebnis gespannt bleiben.

Projekt- und Differenzierungskurse werden darüber hinaus durch einige Besuche von Theateraufführungen in Bonn und Umgebung ihren Blick für die Theaterarbeit schärfen.

Ansprechperson für den Fachbereich Theater am EMA ist: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Interessenten an Theater- und Schauspielangeboten in Bonn auch für Fünft- und Sechstklässler verweisen wir gerne auch an die Angebote des Theaters Marabu, des Jungen Theaters und der Jungen Theatergemeinde.

Eine Übersicht über die aktuellen und vergangenen Theater-Projekte erhalten Sie auf unserer eigenen Webseite unter
theater.ema-bonn.de

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