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Kalifornien, an der Westküste von Amerika gelegen, ist der wohl bekannteste Staat der USA. Über 37 Millionen Menschen leben hier, in Weltstädten wie Los Angeles, Las Vegas und San Francisco oder in kleinen Ortschaften mitten im Nirgendwo. Vom heißen Wetter und Wüsten im Süden bis zu ständigem Regen und Wäldern mitsamt der größten Bäume der Welt im Norden bietet Kalifornien so einiges zum Staunen, Entdecken und Erkunden. Zwanzig Schüler und zwei Lehrer des Ernst–Moritz–Arndt Gymnasium waren im Mai drei Wochen mittendrin im „Golden State“.
Unsere Reise begann mit dem Flug im A 380 von Frankfurt nach San Francisco, in die Stadt der Hippies, Hügel und Cable Cars. Der elfstündige Flug verging erstaunlich schnell und nach dem Passieren der strengen amerikanischen Sicherheitskontrollen (man fühlte sich fast wie ein Verbrecher, während ein Passbild gemacht und Fingerabdrücke genommen wurden) waren wir endlich angekommen in einer der bekanntesten Städte der Welt. Mit einer wirklichen Großstadt vergleichen kann man San Francisco aber nicht, hier geht es eher gemütlich zu. Busfahrpläne zum Beispiel braucht man nicht. Entweder hat man Glück und ein Bus kommt oder eben auch nicht. Sitzt man dann in einem der Busse begegnen einem die unterschiedlichsten Typen von Menschen - doch eins haben sie alle gemeinsam: Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, denn nichts tun sie lieber, als orientierungslosen Touristen den Weg zu weisen. Als wir dann endlich im Hotel angekommen waren, konnten wir uns noch nicht schlafen legen, obwohl wir schon so lange auf den Beinen waren – der Tag hier hatte schließlich gerade erst angefangen. Unsere Lehrer Frau Liedtke und Herr Delschen hatten sich schon im Voraus eine Menge Gedanken über unseren Aufenthalt in San Francisco gemacht. So wurde uns vor Ort ein sehr vielseitiges und interessantes Programm geboten, bei welchem wir auch Gegenden von San Francisco zu sehen bekamen, die abseits von den typischen Touristenattraktionen liegen. Selbstverständlich standen auf unserem Programm Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge, Chinatown und Fisherman’s Wharf mit dem Pier 39, an dem sich Touristen und Robben gleichermaßen tummelten. Auch eine Fahrt mit den Cable Cars durfte nicht fehlen. Festhalten war angesagt während dieser Fahrt, die aus einem ständigen Hügel Auf- und Abwärtsfahren bestand. Wir sahen aber auch das Museum of Modern Art, besuchten eine Kunsthochschule, spazierten durch den Golden Gate Park, betrachteten die alten, viktorianischen Häuser vor der Skyline von San Francisco und warfen vom Ufer aus einen Blick auf die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz. Eigentlich sind alle Straßen in San Francisco schnurgerade, abgesehen von einer einzigen Straße, der Lombard Street, die als die kurvigste der Welt bekannt ist. Zum Glück liefen wir diese nur hinunter und nicht hinauf, denn sie war nicht nur kurvig, sondern auch noch schrecklich steil – was sie wiederum mit den meisten Straßen in San Francisco gemeinsam hat. Einen großen Vorteil hatten all die Hügel von San Francisco jedoch – an Aussichtspunkten mangelte es nicht und man konnte an unzähligen Stellen einen wunderschönen Blick über die Stadt genießen. Wir verbrachten sowohl Zeit auf dem als auch unter dem Pazifischen Ozean – eine Bootstour führte uns unter die Golden Gate Bridge und an der Gefängnisinsel Alcatraz vorbei, ebenso machten wir einen Abstecher in das Aquarium Of The Bay, wo wir die Chance hatten, im Pazifik lebende Meerestiere nur durch eine Glasscheibe getrennt zu beobachten. Da die Lehrer ein großes Vertrauen in uns hatten, durften wir nach den gemeinsamen Aktivitäten am späten Nachmittag die Stadt auch in kleineren Gruppen auf eigene Faust erforschen. Diesen Freiraum nutzten wir, um in den zahlreichen Geschäften am Union Square einkaufen zu gehen oder um das Hippieviertel von San Francisco oder auch Chinatown nach unseren individuellen Interessen zu erkunden. Die vier Tage in San Francisco gingen schnell vorbei, die Koffer wurden wieder verschlossen und weiter ging es in einem 30 Personen Flugzeug mit Ziel Arcata, einer kleinen Stadt etwa 450 Kilometer nördlich von San Francisco. Dort wurden wir von düsterem Wetter und von freundlichen Gastfamilien empfangen, die uns begeistert begrüßten. Während die eine Hälfte der Gruppe sich schnell auf dem Weg zu dem Haus ihrer jeweiligen Gastfamilie machen konnte, mussten die anderen sich noch ein wenig in Geduld üben: Einige Koffer waren noch nicht mit nach Arcata gekommen. Nach einiger Zeit ungeduldigen Wartens und Nachfragens stellte sich heraus, dass die Koffer frühestens am nächsten Morgen nachgeliefert werden konnten – die erste und zum Glück letzte unangenehme Überraschung der Reise. Für die meisten begann der erste Morgen in Arcata dann mit dem Schulbesuch, während diejenigen, deren Koffer noch nicht angekommen waren, den ersten Tag zu Hause verbringen durften. Erst am Abend traf sich die gesamte Gruppe (deutsche und amerikanische Schüler mit den Gastfamilien) in der Aula der Arcata High School zu einer gemütlichen Willkommensfeier. Die Koffer waren in der Zwischenzeit nachgeliefert worden, und so konnte der Abend von allen genossen werden. Während unserer ersten Woche in Arcata nahmen wir am Schulunterricht teil, hatten die Gelegenheit ein Spiel der Baseballmannschaft der Arcata High School zu besuchen und lebten uns in unseren meist unglaublich freundlichen Gastfamilien ein. Viele unserer Aktivitäten dort wurden ebenso von den Gastfamilien organisiert, so zum Beispiel die „Games Night“, bei der wir uns alle bei einer Gastfamilie zum Essen, Sport oder auch Computerspielen trafen. Eine Stadtführung durch Arcata bekamen wir auch geboten, die bei der Größe des Ortes allerdings nicht all zu lange dauerte. Hauptsächlich bestaunten wir die schönsten Häuser und sahen die besten Restaurants, Eisläden, Burgerladen und Cafés. Ebenso machten wir einen Ausflug zu dem nah gelegenen Örtchen Trinidad – 367 Einwohner groß, bekannt für seine spektakuläre Küstenlinie – wo sich die sonst selten zu sehende Sonne einmal zeigte und wir einen wunderschönen Blick über den Pazifik hatten. Am Wochenende ging es dann für einen Teil der Gruppe zum Kajakfahren. Alleine oder zu zweit in einem Kajak paddelten wir über das Meer – inklusive (historischer) Erläuterungen zu den verschiedenen Gebäuden und Plätzen, die wir passierten. In der nächsten Woche fuhren wir für einen Tag nach Hoopa, wo wir von einem Angehörigen des Hoopa Valley Tribe durch das dort gelegene Indianerreservat und -museum geführt wurden. Wir lernten etwas über die Rituale dieses Indianerstammes, über ihre Geschichte und ihre Art zu leben. Nach dem Ende dieser Führung ging es weiter nach Willow Creek, in das Big Foot Museum, wo uns die Legende über ein riesiges, beharrtes Wesen mit überdimensionalen Füßen näher gebracht wurde – „Big Foot“ – das angeblich seit den 1850er Jahren in Willow Creek und Umgebung immer wieder gesichtet worden war. Nun, nach dem Besuch in diesem Museum, das einige angebliche Beweise für die Existenz Big Foots beherbergte, konnte sich jeder seine eigene Meinung über die Glaubhaftigkeit der Legende bilden. Ebenso in dieser Woche besichtigten wir die in Arcata gelegene Universität, das Humboldt State College, durch das wir von einer Studentin geführt wurden. Besonderns bemerkenswert waren hier die zahlreichen Sportanlagen und der Wert, der auf Umweltschutz gelegt wurde. Der am nächsten gelegene größere Ort bei Arcata heißt Eureka – hier trafen wir uns an einem Abend, um an der „Haunted History Tour“ teilzunehmen. In der Dämmerung und im Nieselregen folgten wir unseren beiden verkleideten Gruppenführern durch die Gassen und Straßen von Eureka und lauschten, wie sie uns die Geistergeschichten der Stadt so glaubhaft wie möglich zu vermitteln versuchten. Wirklich gegruselt hat sich wohl kaum einer – spannend war es aber allemal. Zwischen all diesen Aktivitäten blieb aber auch noch genug Zeit, die man mit seiner Gastfamilie verbringen konnte, sei es um die Redwoods aufzusuchen – die riesigen Mammutbäume, für die dieser Teil von Kalifornien berühmt ist –, einen Spaziergang am Strand zu machen, in einem der großen amerikanischen Supermärkte einkaufen zu gehen oder Quadtfahren zu lernen. Am Ende unseres Aufenthaltes standen auch unsere Vorträge im Deutschunterricht der Arcata High School an, die wir bereits in Deutschland vorbereitet hatten: Wir erzählten den amerikanischen Schülern von deutschen Feiertagen, rheinischem Karneval, Fußball, deutschem Bier etc.. Hier wurde uns zum ersten Mal deutlich, dass sich unser Englisch deutlich verbessert hat und wir selbstbewusster beim Halten von freien Reden auf Englisch auftraten. Das letzte Wochenende kam schneller, als wir gedacht hatten und mit diesem Wochenende näherte sich auch ein – für Arcata – großes Ereignis: das „Grand Kinetic Sculpture Race“, eine an Karneval erinnernde Veranstaltung in der Stadt: Die Einwohner von Arcata verkleideten sich und schauten dem Umzug zu, der aus zahlreichen zu Land und zu Wasser fahrenden Wagen bestand, von denen jeder ein anderes Aussehen hatte. So konnte man zum Beispiel einen Feuer speienden Drachen, einen Furcht einflößenden Piranha, einen Picknickkorb und einen Fliegenpilz bewundern, die unter dem Johlen der Menge durch die Straßen fuhren. Der auf das Wochenende folgende Montag war der „Memorial Day“ – und somit ein amerikanischer Nationalfeiertag. An diesem Tag traf sich die ganze Gruppe zum Barbecue bei einer der Gastfamilien, es wurde unter anderem Billard gespielt, gelacht, geredet und natürlich gegessen. Viel schneller als uns allen lieb war, näherte sich schon der letzte Tag: Ein letztes Mal mit den Austauschpartnern im Schulbus oder im Auto zur Schule fahren… in die Schule gehen und allen neuen Freunden dort auf Wiedersehen sagen, ein letztes Mal den besten Burgerladen der Stadt besuchen … Der Abschied war kein leichter, doch unvermeidbar: Mittwochnachmittag standen wir alle am Flughafen von Arcata und wohl oder übel mussten wir Lebewohl sagen. Das ging nicht ganz ohne Tränen vonstatten, so sehr hatten viele ihre amerikanischen Gastfamilien lieb gewonnen. Über San Francisco und München ging es dann zurück nach Köln/Bonn, wo wir von Sonnenschein und warmen Wetter begrüßt wurden. Die Erwartung, dass in Kalifornien immer die Sonne scheint, man auf Grund des warmen Wetters täglich am Strand liegen und im Meer schwimmen kann, hat sich zwar nicht erfüllt, aber dafür haben wir alle in dieser Zeit so viele andere schöne Dinge erlebt, dass man das schlechte Wetter darüber nur all zu leicht vergessen konnte. Verena Schillmöller (12)
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